Mitte der 80er Jahre wurde im Verband schon einige Zeit ein Nachfolger für Sepp Hartinger gesucht. Als mich Wolfgang Pötsch fragte, ob ich mir diese Aufgabe zutrauen würde, habe ich mit ja geantwortet. Ich war damals schon 20 Jahre Gemeinderat in Veitsch, war Funktionär in der Innung und im Gremium der Handelskammer Steiermark. Außerdem konnten unter meiner Mitwirkung bereits seit Mitte der 70er Jahre zahlreiche OL-Großveranstaltungen organisiert werden (u.a. 1976 Mürztaler 3 Tage OL, veranstaltet von den Naturfreunden aus Kindberg und Veitsch, 1985 Österr. Meisterschaft im Schi-OL am Alpl und ÖM auf der Brunnalm). Bei der Generalversammlung wurde ich dann zum Präsidenten gewählt. Ich war damals 48 Jahre alt und damit schon einer der Alten. Aber ich wusste, wir haben ein junges Team von tüchtigen Funktionären mit viel Wissen und Engagement.

Sepp führte bis 1986 den Verband, wir konnten von Sepp Vieles annehmen und lernen. Ich hatte die Ehre, seine Funktion weiterführen zu dürfen.

STOLV-Vorstand im Jahr 1987: stehend von links Hans-Michael Jahnel, Christian Aichholzer, Franz Hartinger; sitzend Gerfried Hoch, Wolf Eberle

Gute Kontakte zur Landessport-Organisation, LSO

Es ergaben sich viele Möglichkeiten, die Landes- Sportabteilung wurde umstrukturiert. Hofrat Dr. Fritz Stehlik wurde Leiter der Sportabteilung. Von unserer Verbandsarbeit war er sehr beeindruckt und unterstützte unsere Bestrebungen und Anliegen. Er besuchte uns bei der Österreichischen Staffelmeisterschaft in Strallegg und half sogar bei uns im Ziel mit. Alle Helfer trotzten dem wolkenbruchartigen Regen und erwiesen sich als wetterfest.

Karte der Österr. Staffelmeisterschaft 1989 in Strallegg

Übungsleiterausbildung – nur in der Steiermark

Seit Ende der 80er Jahre führt der OL-Landesverband mit der Landessportabteilung Steiermark Ausbildungskurse für Übungsleiter durch. Dabei waren u.a. Franz Hartinger, Klaus Chudoba, Michael Wendler, Hannes Pacher, Gerli Hoch, Wolfgang Pötsch, Michael Melcher, zuletzt auch Günter Kradischnig und Helmut Lerchegger für mehr als 200 OL-Interessierte als Ausbildner tätig. In der Lehrerfortbildung wirkten Klaus Chudoba, Franz Hartinger und Hannes Pacher in vielen Teilen der Steiermark als Referenten.

OL-LEISTUNGSMODELL Steiermark

Wir konnten im Jahr 1989 ein Leistungsmodell zur Förderung des Spitzensports einrichten, das auch für einige andere Sportverbände ein Vorbild war. Ich hatte das Glück, ein Team zu haben, das engagiert und zielstrebig arbeitete. Hervorzuheben sind die Bemühungen, eine finanzielle Basis für die Verbandsarbeit zu schaffen. Durch die Unterstützung des Sportreferates der Landesregierung und durch Mithilfe aller steirischen Vereine war es möglich, die notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen. Der neue Landestrainer Hannes Pacher und Wolfgang Pötsch, (später Thomas Krejci) konnten mit 20 jungen Athleten einen ersten Landeskader erstellen und mit der Arbeit beginnen. Große Freude bereitete die Nachricht über die Unterstützung des Leistungsmodells mit 80.000 Schilling im Jahr 1990, zusätzlich zur Jahresförderung von ÖS 15.960.

Schutz des Wildes

Aber es war nicht immer alles Paletti. Bei einem STOLV- Cup-Lauf in Anger verfingen sich drei Rehe in der Umzäunung eines Obstgartens und verendeten. Die Forstbehörde hatte darauf alle sportlichen Bewerbe untersagt. Es gab dann viele Gespräche mit Jägern und Förstern, es wurde ein Laufverbot in der Setzzeit des Wildes und die Errichtung von Ruhezonen beschlossen. Unter Mitarbeit von Dr. Michael Wendler und Förster Albrecht Prader (Friedberg) konnten wir mit der steirischen Jägerschaft in vielen Gesprächen eine gute Basis für die Fortsetzung unserer OL-Arbeit in der Steiermark erzielen.

20 Jahre STEIRISCHER OL VERBAND 1990

Im Grazer Hotel Europa feierten wir in diesem Jahre 20 Jahre Steirischer OL Verband (Moderation: Franz Hartinger). Franz Trampusch wurde im Rahmen dieser Feier zum Ehrenpräsidenten ernannt. Es war ein würdiger Anlass, auf die erbrachten Leistungen Rückschau zu halten und auf Meilensteine hinzuweisen:

1970 Gründung des Landesverbandes und Mitglied in der LSO
1971 Steirische Meisterschaften auch im Nacht- und Staffel OL
1974 erster Schi-OL in Österreich in den Gralla Auen, veranstaltet vom Leibnitzer AC
1987 Fixpostennetz in Loipersdorf, Hannes Pacher setzt die Idee um

Internationale Veranstaltungen:

1975 OL Alpencup in Aigen/Ennstal und in Leibnitz 1980
1976 Mürztaler 3 Tage OL, veranstaltet von den Naturfreunden aus Kindberg und Veitsch
1981 – 1985 Tio Mila Austria: Veranstaltungsorte St. Nikolai, Heimschuh und Gleinstätten
1981 Vor-WM in Mitterberg bei Gröbming
1982 Schi-OL-WM mit Zentralort Aigen im Ennstal
1984 „Inoffizielle“ Junioren WM in Hartberg (Ringkogel und Zieglerteich)
1986 Schi-OL-Europacup in Bad Mitterndorf
1986 Sechs-Länderkampf in Welten bei Fehring (Jugend) und Elite-Länderkampf veranstaltet vom HSV Feldbach
1987 Alpencup - Etappen in Gleinstätten und Kreuzkogel, Ziel am Sulmsee (Leibnitzer AC)
1991 OL Alpen-Adria-Cup in Graz und in Gleinstätten

Die sportliche Bilanz der ersten 20 Jahre

25 Staatsmeistertitel vom Start im Jahre 1964 bis 1987.
38 steirische WM-Teilnehmer im Fuß OL und Schi-OL.
Unser erfolgreichster Athlet in diesen Jahren war Hannes Pacher mit seinem 12. Platz bei der WM 1983 in Zalaegerszeg/Ungarn im Fuß-OL und mit seinem sensationellen Schi-OL-Rennen in der WM Staffel 1982 in der Ramsau (Platz zwei als Startläufer).

Seit 1978 werden Schul-OL Landesmeisterschaften und Bundes Schul-Meisterschaften durchgeführt. Bei den OL-Schulweltmeisterschaften 1989 in Arlon in Belgien erkämpften die Leibnitzer: Susanne, Ulrike und Jürgen Hartinger, Jürgen Egger sowie Heimo Tröster (SHS Weiz) erstmals Medaillen.

Alpen-Adria-Cup im Orientierungslauf

Der erste Alpen-Adria-Cup im Orientierungslauf fand in Graz-Straßgang und im Hartwald bei Gleinstätten im Jahr 1991 statt.

Junge Funktionäre wie Christian Aichholzer, Hans Michael Jahnel und Franz Hartinger waren bei dieser Premiere die Hauptorganisatoren und waren auch die Initiatoren bei der Gründung des Alpen-Adria-Cup-Komitees, das sich seit 1993 für die jährliche Durchführung dieser Bewerbe engagiert.
Die teilnehmenden Regionen waren - von Österreich: Steiermark, Kärnten und später auch das Burgenland; von Italien: Friaul-Venezia, Veneto, Lombardia, Trentino-Südtirol; von Ungarn: Zala, Baranya, Vas, Somogy; Kroatien und Slowenien. Das stärkste Team stellte bei der Erstaustragung Kroatien, Platz zwei ging an Slowenien und Platz drei an die Steiermark.

Die Steiermark war als einzige Region bei allen 29 Auflagen mit einem Team am Start und die grün-weiße Mannschaft gewann bis heute gleich 12mal den Pokal für den Gesamtsieg.

Landesausstellung Sport - Sinn und Wahn in Mürzzuschlag

Zur Landesausstellung 1991 unter dem Thema: „Sport – Sinn und Wahn“, wurden wir eingeladen, den Orientierungslauf zu präsentieren. Es wurde eine neue OL-Karte gezeichnet, damit begann auch ein neues Zeitalter in der Kartenherstellung.
Die Karte „Mürzzuschlag“ war die erste in Österreich mit OCAD gezeichnete Orientierungslaufkarte. Programm: Hans Steinegger, Lizenz: ÖFOL-Kartenkommission Wolfgang Pietsch; Zeichnung auf Tablet von Gabi und Gerfried Hoch.
Kurioses dazu! Ich hatte ein Problem und rief bei Hans Steinegger (Herausgeber in der Schweiz) an. Er fragte: „Wer sind Sie überhaupt, in Österreich gibt es nur eine Lizenz?“
Ich erklärte ihm, dass ich die erste Karte auf OCAD zeichne, und mit der Lizenz der Kartenkommission arbeite. Damit war er zufrieden und wünschte mir gutes Gelingen.

Bei der Landesausstellung gab es auch einige Veranstaltungen für die Besucher, so eine Rallye durch die Stadt, Schulwettkämpfe, einen Lauf zum STOLV Cup und eine ÖM in Mitterdorf im Mürztal auf der Karte Sonnleiten.

RÜCKTRITT 1992

Im Jahr 1992 musste ich mich einer Herz Operation unterziehen und legte aus gesundheitlichen Gründen die Funktion des STOLV Präsidenten zurück.

Verfasst von Gerfried Hoch

 

Anmerkung:

Im Mai 1992 übernahm Franz Hartinger das Präsidentenamt (siehe NZ Bericht).
Unser „Gerli“ blieb als Vizepräsident im STOLV-Vorstand. Im Jahre 2000 (Championsweek und IOF Weltkongress in Leibnitz) übernahm Gerfried Hoch von Franz Hartinger als geschäftsführender Präsident wieder die Führung im Steirischen OL-Verband und führte diesen als Präsident bis 2014.